Geschichte & Gegenwart

Aus Beduinensiedlungen werden Metropolen

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Brille, mit der Sie in die Vergangenheit schauen können. Der Blick auf den Creek von Dubai Anfang des 19. Jahrhundert offenbart eine kleine, verschlafen anmutende Beduinensiedlung von Fischern und Perlentauchern. Richtet man heute den Blick auf dieselbe Stelle, erstreckt sich an derselben Stelle eine futuristische Metropole, geprägt von Wolkenkratzern, moderner Infrastruktur, künstlicher Landgewinnung und gigantischer Bauwerke, wie dem erst kürzlich eröffneten höchsten Bauwerk der Welt: dem Turm Burj Khalifa. Wer sich mit Geschichte und Gegenwart der Emirate befasst, wird staunen, in welch rasantem Tempo die Moderne am Golf Einzug hielt.

Die Ursprünge
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind ein vergleichsweise junger Staat, das Staatsgebiet blickt aber auf eine mehrere tausend Jahre anhaltende Besiedlung zurück. Bereits im Jahre 1958 wurden mit Hilfe dänischer Archäologen Spuren einer sesshaften Kultur gefunden, die das Gebiet des heutigen Abu Dhabi besiedelte. Man stieß auf Siedlungen, Waffen, Gräber und was wohl das Erstaunlichste ist, auch auf Zeugnisse weit entfernter Handelsbeziehungen. Diese reichten von Syrien über Indien und Mesopotamien bis hin nach Afghanistan. Hiernach flachte die historische Bedeutung der Region ab und es blieb bei Griechen und Römern bekannten Karawanenrouten. Nach der Islamisierung änderten sich die Zustände und neue Handelsrouten, Stützpunkte und Repräsentanzen entstanden. Indizien hierfür wurden in Ras al Khaimah und in Jumeirah entdeckt.

Die Neuzeit
Interesse für die Mächte des Westens entstand aber erst in der Neuzeit als die Briten ihren Handel bzw. ihre Kolonisation Indien vorantrieben. Es ging ihnen hierbei vornehmlich um eine Sicherung des Seewegs. Ansonsten war das Land von keinem besonderen Interesse, denn es war weder fruchtbar noch verfügte es über Bodenschätze, die zur damaligen Zeit von Wert waren. Sicher, man tauchte nach Perlen; dies war aber für die Briten nicht Argument genug, das Land zu kolonisieren. So zog dieses Machtvakuum im 18. Jahrhundert seehandelserfahrene Araber und Beduinenstämme an die Golfküste. Diese gründeten Scheichtümer, was als ungefähre Geburtsstunde der heutigen Strukturen betrachtet werden kann. Dann blieb es – abgesehen von Piratenüberfallen auf britische Handelsschiffe – für einige Zeit ruhig in der Region.

Das 19. Jahrhundert
1818 aber, als es den Briten zu bunt wurde, zerstörten sie kurzerhand den Hafen von Ras al Khaimah und zwangen die Scheichs in die Knie. Man knebelte sie mit Verträgen, die der Britischen Krone dienen sollten und gab ihnen den Namen „Trucial States“, was soviel wie „Vertragsstaaten“ bedeutet. Aufgrund der fehlenden Bodenschätze verzichteten die Briten auf die klassische Kolonisierung, bestanden aber auf eine Absicherung der Handelswege nach Indien. Daher blieben die klassischen Strukturen von Herrschaft und Verwaltung in dieser Zeit erhalten. Hierauf folgte im 19. Jahrhundert die Zeit des verstärkten Perlenhandels, denn mehr hatte man ja nicht zu bieten. Im Zuge der Handelsbeziehungen mit den Briten und Indien verschlug es auch mehrere Scheichs nach Indien, die dort die „moderne Welt“ kennen lernten. Fasziniert von Telegraphen, Krankenhäusern und der Eisenbahn berichteten die Scheichs hiervon in ihrer Heimat, was eine immense Neugier und ein weltoffenes Klima gegenüber den Briten weckte.

Die Gegenwart
Anfang des 20. Jahrhunderts baten die Scheichs die Briten, nun auch Dubai mit ihren Dampfschiffen anzusteuern. So entstand bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein Hafen internationaler Bedeutung. Im Nachhinein betrachtet, war dies sicher schon ein Vorbote dessen, was noch kommen sollte: Eine weltoffene Stadt unter arabischer Führung mit unzähligen Ausländern. Als dann noch der Luftverkehr hinzukam, wurde Dubai ein Versorgungspunkt der Flugzeuge auf ihrem Wege nach Bombay. So blieb es einige Jahrzehnte bis London in den sechziger Jahren entschied, weltweit alle Kolonien aufzugeben und sein militärisches Engagement in der Region zu beenden. Ein Machtvakuum entstand. Auf der einen Seite lauerte Gefahr durch die panarabistischen Saudis, auf der anderen Seite bedrohten die Großmachtsträume des Schahs von Persien die Region – es bestand also dringendster Handlungsbedarf. Zwar konnte man sich anfangs nicht einigen - man hatte die Vorzüge des Erdöls bereits erkannt und massiv mit der Förderung begonnen, jedoch gab es nicht in allen Emiraten Öl, sodass sich die Einigungsverhandlungen ergebnislos hinzogen. Als Ende 1971 die Briten das Gebiet verließen kam es zum Durchbruch und drei Tage später waren die Vereinigten Arabischen Emirate, in Form eines föderalen Bundesstaats, gegründet.

Geschichte & Gegenwart der Emirate
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