Geschichte & Gegenwart

Von der Frühzeit der Menschheit ins 21. Jhd.

Früh- und alttestamentliche Zeit

Das heutige Jordanien offenbart Besuchern eine weit reichende Geschichte. Im Gebiet zwischen dem Jordan-Graben und der großen Syrischen Wüste finden sich Siedlungszeugnisse wie Werkzeuge und Felszeichnungen bereits aus der Frühzeit der Menschheit. Die älteste bekannte Stadt der Welt — Jericho — liegt unmittelbar westlich des Jordans, im benachbarten Israel, und ihre Gründung wird auf 8.000 vor Christus datiert. Dass Jordanien altes Kulturland ist, beweisen weiter Überreste mehrerer alter semitischer Königreiche, die es in der Zeit zwischen 1.500 und 800 vor unserer Zeitrechnung in der Region gab. Im Alten Testament sind der Kleinstaat Edom, das eisenzeitliche Reich Moab, ab 1.200 v. Chr., Ammon, das Reich der Ammoniter, und das Land Gilead erwähnt. Auch das biblische Israel, die alte Stadt Hebron, Bethlehem und Jerusalem sind Orte, deren Geschichte weit zurückzuverfolgen ist und deren Entstehung, mittelbar oder unmittelbar, mit dem Jordan und der Entwicklung der umliegenden Gebiete verbunden ist.

Antike

Aufgrund der Lage am Schnittpunkt von Asien, Afrika und Europa, war dieses Gebiet seit jeher Durchzugsgebiet von Händlern und Heeren und somit der Interessenpolitik verschiedenster Völker und Reiche unterworfen. In der Antike bevorzugten die großen arabischen Karawanen die Region als Zwischenstation und sorgten für eine große Blütezeit des Stamms der arabischen Nabatäer. Um 500 vor Christus wurde dieses von der arabischen Halbinsel stammende Nomadenvolk beiderseits des Jordans ansässig. Sie erbauten die heute noch berühmte Felsenstadt Petra und lebten einige Jahrhunderte in Wohlstand und Frieden.

Hellenismus

Auf seinen Eroberungsfeldzügen Richtung Osten, dessen Ziel u. a. die legendären Schätze Arabiens waren, konzentrierte sich Alexander der Große auf den Weg durch das Zweistromland und die Region des Persischen Golfes und weniger um das Grenzland, das Rote Meer und die Nabatäer. Der große Stratege überschritt Euphrat und Tigris, den Indus, aber nie den Jordan. Insofern blieben die Machtverhältnisse im Randgebiet zur Nordarabischen Wüste während des Hellenismus recht unverändert. Ein kultureller Einfluss der Griechen ist jedoch unbestreitbar zu erkennen, und die Hellenisierung in Architektur, Kunst und Literatur ist bis heute zu sehen.

Römisches Reich

Erst mit den Eroberungszügen der Römer endete die glorreiche Ära der Nabatäer. Ca. 100 nach Christus gliederten die Römer das Gebiet als Provinz Arabia in ihr Reich ein und verstanden die Region als eine Art Schutzwall gegen die Beduinen und die arabische Wüste. Reste römischer Kastelle zeugen noch heute von dem Schutzwall, den die Mittelmeergesellschaft gegen die Beduinen und Wüstenarabien aufbaute.

Arabersturm und Islamisierung

Mit dem Sieg der Muslime 636 über das oströmische Reich geriet die Region unter islamische Herrschaft: Die Wüstenbewohner eroberten nun den Mittelmeerraum und etablierten ein Islamisches Weltreich. Stark motiviert wurden die Araber durch das Wirken des arabischen Religionsstifters Mohammed, und sie verbreiteten den Islam und gründeten auf ihrem Eroberungsweg verschiedene Kalifate. Hervorzuheben sind neben den Abbasieden, Haschemiten und Fatimiden die Omajjaden, die eindrucksvolle Wüstenschlösser bauten.

Mittelalter, Kreuzzüge und Osmanen

Zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert fiel die Region einer gewissen politischen und kulturellen Vernachlässigung anheim. Die Politik der verschiedenen tonangebenden Großmächte glich sich in der Behandlung dieses speziellen Gebiets: Das Ostjordanland diente als Pufferzone gegen Fernost (Mongolen) und als Schutzschild der westlichen Interessenhemisphäre. Die Folge war eine Entvölkerung und Nomadisierung des Terrains. Mit Beginn der Kreuzzüge flammte das Interesse an dem bis dato vernachlässigten Landstrich wieder auf, und um 1100 gehörte der Westteil des heutigen Jordaniens für kurze Zeit zum Kreuzfahrerstaat Jerusalem. Von 1250 bis 1560 war das Gebiet dann Teil des Reiches der Mamluken. Und als im Jahre 1516 die Türken die Region eroberten, war das Land bis 1918 eine unbedeutende Provinz im großen Osmanischen Reich.

Das 20. Jahrhundert

Am Ende des ersten Weltkriegs und mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches 1918 rückte Jordanien in die Interessensphäre der westlichen Großmächte. Ab 1920 verwaltete Großbritannien Ostjordanien und Palästina, und im weiteren Verlauf riefen die Briten das Emirat Transjordanien ins Leben, das als Pufferzone und Militärstützpunkt gegen Saudi-Arabien dienen sollte. 1925 erwarb Transjordanien den Hafen von Aqaba, eine strategisch wichtige Region. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Emirat Transjordanien Mitglied der Arabischen Liga, und als das britische Mandat am 25. Mai 1946 erlosch (Nationalfeiertag), erklärte sich Transjordanien 1946 formell unabhängig. Der Emir nahm den Königstitel an und nannte sich König Abdallah I.

Nach der Unabhängigkeitserklärung Israels im Jahre 1948 beteiligte sich Transjordanien am ersten israelisch-arabischen Krieg der Arabischen Liga gegen Israel und besetzte mit seinen Truppen den östlichen Teil Palästinas und die Altstadt von Jerusalem. Das Waffenstillstandsabkommen 1949 kam für Jordanien einer Niederlage gleich. 1950 erfolgte dann offiziell die Umbenennung in Haschemitisches Königreich Jordanien. König Abdallah kam 1952 bei einem Attentat ums Leben und nach ihm regierte König Hussein 46 Jahre lang das Land.

1958 entstand die Arabische Föderation mit dem Irak, und die 50er und 60er Jahre waren von Konflikten um das Wasser des Jordans geprägt. 1967, im Sechstagekrieg, besetzte Israel das Gebiet westlich des Jordans, und es kam zur Gründung der so genannten Westbank. Dadurch verlor Jordanien große Teile fruchtbaren Ackerlandes und erlitt einen schweren wirtschaftlichen Verlust. Außerdem strömten große Gruppen palästinensischer Flüchtlinge über den Jordan ins Land, und die PLO bildete einen Staat im Staat und bedrohte den Bestand der jungen Monarchie.

Die Spannungen zwischen der von Jordanien aus operierenden palästinensischen Organisation (PLO) und dem Königreich Jordanien gipfelten 1970 im bewaffneten Konflikt, dem "Schwarzen September". König Hussein zerschlug mit Unterstützung Syriens die militärischen Einheiten der PLO, und 1974 gab Jordanien alle Ansprüche auf das Westjordanland zugunsten der PLO auf. Nach dem Ausbruch der ersten Intifada 1987 hob der jordanische Monarch am 31.7.1988 alle rechtlichen und administrativen Bindungen zum Westjordanland auf.

Während des Golfkriegs 1991 nahm Jordanien eine vorsichtige proirakische Haltung ein. Aber die eingeleitete innenpolitische Liberalisierung setzte sich durch, und 1993 fanden zum ersten Mal Mehrparteienwahlen statt. Die Demokratisierung und die prowestliche Ausrichtung waren nicht aufzuhalten. Sie gipfelten 1994 im Abschluss eines Friedenvertrags mit Israel, der bis heute als Meilenstein im Nahostkonflikt gewertet wird, und in der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
1999 starb Hussein, und sein Sohn Abdullah II übernahm die Macht.

Gegenwart

Dieser bemüht sich intensiv um eine nachhaltige Modernisierung des Landes. Er schloss wirtschaftliche Abkommen mit den USA und der EU und betreibt seither eine prowestliche Außenpolitik. Bei den Parlamentswahlen 2007 konnten die königstreuen Kräfte ihre Stellung zu Lasten der Islamisten ausbauen. Nach Kontroversen über die Effizienz der Parlamentsarbeit, löste der König die Volksvertretung im November 2009 auf und ordnete vorzeitige Neuwahlen an. Bis heute wird die Modernisierung des Landes vorangetrieben und die wichtige Region um den Jordan ist im Großen und Ganzen geprägt von Frieden, Stabilität und Wirtschaftswachstum.

Jordanien: Geschichte und Gegenwart
© 2010 Discover Arabia • Alte Jakobstrasse 77 d • 10179 Berlin | Ihr Spezialist für Oman Reisen, Emirate Reisen, Türkei Reisen & Marokko Reisen